Skip to content

Die Macht

02/07/2014

Damit war Hitlers Triumph über das preußische Offizierskorps vollständig. Der ehemalige Wiener Vagabund, der frühere Gefreite war jetzt Staatsoberhaupt, Kriegsminister, Oberster Befehlshaber der Wehrmacht und Oberbefehlshaber des Heeres. Die Generale, klagte Halder in seinem Tagebuch, seien nur noch Briefträger für die Weiterleitung von Hitlers Befehlen. Von Befehlen, denen Hitlers einzigartige Auffassung von Strategie zugrundelag.

Bald jedoch sollte der größenwahnsinnige Diktator noch weitergehen und die Macht, die vor ihm kein Mann in der deutschen Geschichte, ob Kaiser, König oder Präsident, innegehabt hatte, sich selber legalisieren. Am 26. April 1942 ließ er von seinen Marionetten im Reichstag ein Gesetz annehmen, das ihm absolute Macht über Leben und Tod jedes Deutschen gab und einfach alle Gesetze, die dabei im Wege stehen konnten, außer Kraft setzte. Man muß den Wortlaut des Gesetzes lesen, um es glauben zu können:

Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß der Führer in der gegenwärtigen Zeit des Krieges, in der das deutsche Volk in einem Kampf um Sein oder Nichtsein steht, das von ihm in Anspruch genommene Recht besitzen muß, alles zu tun, was zur Erringung des Sieges dient oder dazu beiträgt. Der Führer muß daher – ohne an bestehende Rechtsvorschriften gebunden zu sein – in seiner Eigenschaft als Führer der Nation, als Oberster Befehlshaber der Wehrmacht, als Regierungschef und oberster Inhaber der vollziehenden Gewalt, als oberster Gerichtsherr und als Führer der Partei jederzeit in der Lage sein, nötigenfalls jeden Deutschen – sei er einfacher Soldat oder Offizier, niedriger oder hoher Beamter oder Richter, leitender oder dienender Funktionär der Partei, Arbeiter oder Angestellter – mit allen ihm geeignet scheinenden Mitteln zur Erfüllung seiner Pflichten anzuhalten und bei Verletzung dieser Pflichten nach gewissenhafter Prüfung ohne Rücksicht auf sogenannte wohlerworbene Rechte mit der ihm gebührenden Sühne zu belegen, ihn im besonderen ohne Einleitung vorgeschriebener Verfahren aus seinem Amte, aus seinem Rang und seiner Stellung zu entfernen [1].

Wahrlich, Adolf Hitler war nicht nur der Führer Deutschlands, es war das Gesetz selbst geworden. Nicht einmal im Mittelalter, ja nicht einmal in der Zeit der Barbarenstämme hatte sich irgendein Deutscher eine solche tyrannische Macht angemaßt, weder nominell und legal noch faktisch.

1. Reichsgesetzblatt 1942, Teil I, Nr. 44; NCA, IV, S. 600.

William Lawrence Shirer, Aufstieg und Fall des Dritten Reiches / The Rise and Fall of the Third Reich (1960).

Anuncios

Los comentarios están cerrados.

A %d blogueros les gusta esto: